Unterkunft
SunriseSunset
Heute war ein Ruhetag fällig. Noch mal den ganzen Tag auf Achse sein wollte ich jetzt nicht unbedingt. Also bin ich nach dem Frühstück etwas durch die Stadt getigert. Es war noch sehr ruhig, die ganzen Party-People waren wohl noch nicht wieder erwacht. Im Prinzip war mein Ziel irgendwo einzukehren, vllt. einen Kaffee zu trinken und dann in Ruhe meinen Bericht zu schreiben. Aber mir sagte da keine Location zu. Letztlich bin ich dann zur Mittagszeit wieder am Busbahnhof gelandet, habe das angenehme mit dem nützlichen verbunden und was gegessen und dann in Ruhe notiert, Platz gab es genug, ich störte den Betriebsablauf nicht. Dann war es Zeit aufzubrechen, noch mal kurz ins Hotel und wieder ins gleiche Lokal wie gestern Abend, dort hatte es mir gut gefallen und das Essen war lecker. Heute gab es Fish & Chips, was jetzt nicht so doll schmeckt, wenn man dabei an Fish & Chips denkt wie es das in GB gibt. Oder zumindest wie ich es in Erinnerung habe von vor ewigen Zeiten. Nein, hier das kam kultiviert rüber und nicht in Essig ertränkter Fisch. Zeitmäßig war ich noch etwas zu früh, als ich am „Art museum“ angekommen war war ich genau eine Stunde zu früh.
Also noch ein wenig durch die Straßen schlendern, auch wenn das eigentlich nicht so meine Sache ist. Zumal teilweise eine echt steife Brise um die Nase wehte. Dann stand ich vor einem Buchladen und bin rein marschiert. Nicht das ich vor hatte einige gedruckte Werk auf Isländisch zu erwerben, aber man darf ja wohl noch etwas stöbern. Und dann stehe ich vor dem Zeitschriften-Regal, gucke so drüber und <peng> sehe ich ein Cover mit einem Künstler, leider schon ein paar Jahre verstorben, und ich dachte mir, ja das wäre doch was. Nicht das ich alle Zeitschriften die ich mitgenommen hatte, mit dem festen Entschluss sie alle auf dem Schiff zu lesen, schon gelesen hätte, besser gesagt noch keine einzige. Also schleppe ich mir jetzt noch mehr Lesematerial nach Hause, auweija. Aber so habe ich etwas Zeit tot geschlagen und als ich wieder vor dem Eingang des „Art museum“ stand hatte sich dort schon eine kleine Schlange wartender Leute gebildet. Da reihte ich mich ein. Zum Glück war es auf der Gebäudeseite ziemlich ruhig was den Wind angeht, man musste nicht bibbern. Nach einer Weile öffneten sich die Tore und es wurde Einlass gewährt. Diese Location hier war nun etwas ganz anderes als die beiden Tage zuvor. Alleine die Bühne war hier so groß wie Bühne und Zuschauerraum vorher. Ich habe mich gleich ganz nach vorne gestellt, so zu sagen zweite Reihe.
Es trafen immer mehr Leute ein und die Halle füllte sich. Es startete „Árný Margrét“, eine sehr junge Frau (geboren 7 Mai 2001), hatte erst im Oktober 2022 ihr Debutalbum veröffentlicht. Begleitet wurde sie von einer Band. Das war ein sehr ruhiger Einstieg, begleitet von einer technischen Panne. Gleich von Beginn an waren sehr hohe und laute Störgeräusche zu hören, wo ich mir dachte, das muss doch einer von den Technikern am Mischpult mitbekommen. Dann plötzlich kam der ganze Sound nur noch durch die paar kleinen Monitorlautsprecher der Musiker. Wie peinlich ist das denn? Kurze Pause. Dann geht es weiter, alles läuft.
Dann folgte „Mugison“, mit einer zehnköpfigen Band. Die rockten die Hütte, das Publikum sang oft mit. Eigentlich nicht so ganz meine Stilrichtung, aber in dem Fall live, das hatte mir sehr gut gefallen. Es folgte „Squid“, fünf junge Männer die elektronischen Pop mit ziemlich beeindruckenden Elementen boten. Das war genau mein Ding. Während der dann folgenden Umbauphase wurde es deutlich voller im Publikum, so wirklich kontaktlos für sich stehen war nicht mehr drin, nun, dann muss das wohl so sein. Es folgte „Daði Freyr“, ein Isländer, geschätzt deutlich über zwei Meter groß, rank und schlank wie sonstwas. Was dann folgte war wie ein Vulkanausbruch, also zumindest wie ich ihn mir vorstellte. Die Bude bebte, sowohl was die druckvolle Musik anging aber auch die Atmosphäre zwischen Künstler und Publikum. Hat mir auch sehr gut gefallen.
Die Beine hatte ich mir da schon längst in den Bauch gestanden, aber ich hatte die Zeit ja bestens verbracht. Der letzte Gig am Abend war „trentemøller“. Die Bässe schlugen einem in die Magengrube, holla die Waldfee. Das war die einzige Band des Festivals die ich schon kannte. Schwer zu sagen wer nun besser war an diesem Abend. Auf ihre Art waren alle top.
Die letzten Klänge von „trentemøller“ waren verklungen, ich schob mich langsam durch ein Gewühl von Leuten zum Ausgang und die Menge skandierte das was bei uns wohl „Zugabe“ heißt. Aber hier war keine zu erwarten. Es hatte nie an den Abenden zuvor eine Zugabe gegeben, jeder Act hat sein Zeitfenster und dann ist Schluss, aus die Maus. Der Applaus versiegte nicht und bevor ich am Ende der Halle ankam folgte die erste Zugabe. Es gab noch mal drei Stücke. Es muss so gegen 01:30 Uhr gewesen sein wo dann die letzten Klänge zu vernehmen waren.
Und wer jetzt denkt, na, draußen sind aber nun schon die Bürgersteige hochgeklappt, der irrt. Die halbe Stadt ist unterwegs, es tobt der Bär, alle paar Meter hämmern aus einer anderen Kneipe die Songs. Ich gehe forschen Schrittes zum Hotel zurück, überlegend noch eine Gerstensaftkaltschale zu nehmen, während der Konzerte war ich heute enthaltsam geblieben. Aber nee, die Nacht ist spät und überhaupt, aber durstig war ich schon, man soll ja auch immer schön viel trinken. Also orderte ich mir noch ein Bierchen im Hotel, und potzblitz, es gab hier sogar welches aus dem Zapfhahn und nicht aus der profanen Dose.
Fazit Festival: Der H-A-M-M-E-R